Vaterländischer Frauenverein

Sie verteilten Nahrungsmittel und Kohlen, bauten eine Kleinkinder-Bewahranstalt, bildeten in der Krankenpflege aus. Vor nunmehr 138 Jahren gründeten mehrere Paderbornerinnen den "Vaterländischen Frauenverein" - unter dem Zeichen des Roten Kreuzes.
Den Anstoss zur Gründung der Hilfsorganisation am 18. Oktober 1875 gab der Ükernbrand, der einen großen Teil der Stadt Paderborn zerstört hatte. Frauenvereine aus Minden und Höxter halfen den Opfern der Brandkatastrophe mit Geld und Kleidern. Daraufhin gründeten Frauen bekannter Paderborner Familien einen eigenen Hilfsverein - den "Vaterländischen Frauenverein", Vorläufer des heutigen Roten Kreuzes.
Nach der Gründung des Roten Kreuzes 1863 bildeten sich in zahlreichen Ländern Europas Hilfsvereine für kranke und verwundete Soldaten. Auf deutschem Boden wird am 11. November 1863 die erste nationale Rotkreuzgesellschaft: „Der Württembergische Sanitätsverein“ gegründet. Zusätzlich entstehen zahlreiche Frauenvereine, die am 11. November 1866 unter der Schirmherrschaft von Königin Augusta von Preußen zu dem „Vaterländischen Frauenverein“ zusammengefasst werden. Unter dem Zeichen des Roten Kreuzes wollen die Frauen nicht nur Aufgaben im Krieg übernehmen, sondern auch bei Katastrophen wie Überschwemmungen, Bränden und Seuchen helfen. Dazu gehört das Sammeln von Spendengeldern und anderen Hilfsgütern. Sie sorgen aber auch dafür, dass schnell an diesen Orten Lazarette entstehen und Hilfe geleistet wird.
Von dieser Organisation profitiert Paderborn, als es am 12. September 1875 zu einer Katastrophe kommt. Durch einen Brand im Stadtviertel Ükern wird ein großer Teil der Stadt zerstört. Als Schirmherrin des preußischen Vaterländischen Frauenvereins spendete die Kaiserin Augusta 800 Mark für die Opfer, und sie veranlasste die in Minden und Höxter bereits bestehenden Zweigvereine, eine Sammlung für die obdachlos gewordenen Geschädigten zu veranlassen und ihnen mit Kleidungsstücken und Kinderwäsche zu helfen. Am 18. Oktober 1875 gründeten Frauen aller Stände und Konfessionen den Paderborner Zweigverein vom Vaterländischen Frauenverein. Der Verein entwickelte bald nach seiner Gründung ein vielfältiges wohltätiges Wirken, so durch Entrichtung einer Nähschule und einer Kleinkinder-Bewahranstalt. Sie kümmerten sich um Bedürftige durch Verteilung von Kleidung, Nahrungsmitteln, Kohle und um arme Wöchnerinnen, organisieren Kinderkuren und sorgen sich um die Ausbildung in der Krankenpflege. Mittel für diese Arbeit werden durch Wohltätigkeitsveranstaltungen beschafft.
Gründung des Kreisvereins Paderborns
Am 7. Januar 1888 gründeten der Oberpräsident der Provinz Westfalen und prominente Persönlichkeiten aus allen Teilen der Provinz, darunter aus Paderborn Bischof Dr. Drobe, Domkapitular Dr. Schulte und I. Beigeordneter Hesse, den Provinzialverein vom Roten Kreuz zur Pflege im Felde verwunderter und erkrankter Krieger. Der Königliche Landrat in Paderborn, Walter Jentzsch, verband die Bekanntmachung der Gründung des Provinzialvereins mit dem Aufruf zum Beitritt in einen zu bildenden Kreisverein, der dann am 16. März 1889 gegründet und dessen Statut am 11. April 1889 genehmigt wurde.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurden auch bis dahin demokratisch organisierten Gliederungen nach dem Führerprinzip gleichgeschaltet. Mit dem Beginn des Jahres 1938 trat ein Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz in Kraft, durch welches das Rote Kreuz mit allen Untergliederungen aufgelöst wurde. Nachdem 1945 das DRK durch die Allierten verboten wurde, wird es 1950 als Organisation neu gegründet. Das Deutsche Rote Kreuz kann sich in vereinsrechtlicher Form neu konstituieren und teilweise sein beschlagnahmtes Vermögen zurückerhalten.
An die Tradition der Vaterländischen Frauenvereine und der Freiwilligen Sanitätskolonnen anknüpfend, bildeten sich in mehreren Gemeinden nunmehr einheitlich organisierte Ortsvereine, die als ihre Gründungsdaten jeweils die Entstehung der Freiwilligen Sanitätskolonnen in Anspruch nehmen.